Internationales Übereinkommen über das Verhalten und zur Ethik von Theaterpädagoginnen und Theaterpädagogen (ÜVET)

Yaratıcı Drama Eğitmenleri/Liderleri ve Tiyatro Pedagoglarının Davranış ve Tutumuna İlişkin Etik Bildirge (Sözleşme)

Der Beitrag von Sinah Marx, Berlin, stellt das internationale Übereinkommen zur Ethik von Theaterpädagoginnen und Theaterpädagogen (ÜVET) vor. Die SpielArt dokumentiert das Übereinkommen in deutscher und türkischer Sprache.

Die Theaterpädagogik ist sowohl in Deutschland als auch in der Türkei und andernorts als eigenständige Disziplin fest etabliert. Zu einer Konkretisierung des Begriffs respektive einer begrifflichen Schärfe der Einzelwissenschaft haben unterschiedliche Entwicklungen beigetragen wie beispielsweise die Etablierung eigener institutionalisierter Ausbildungsgänge, die Erarbeitung eines Spezialwörterbuchs (Koch/Streisand: Wörterbuch der Theaterpädagogik), das Herausbringen einer Fachzeitschrift (Zeitschrift für Theaterpädagogik - Korrespondenzen) sowie die Gründung von fachlichen Verbänden. Künstlerische und pädagogische Aspekte vereinend geht es darum, wie mittels Theater(methoden) Menschen gebildet und gestärkt werden können.

Was bisher fehlte, war ein Aspekt, der diejenigen stärker fokussiert, die theaterpädagogisch arbeiten und also das Medium Theater/Spiel als künstlerischen, pädagogischen Hebel nutzen, um bestehende Strukturen aufzubrechen, missliche Verhältnisse zu thematisieren, persönliche Probleme zu bearbeiten und Neues zu gestalten usw. Gemeint sind Theaterpädagog_innen, auch Drama-Teacher genannt. Hier setzt das in deutsch-türkischer Zusammenarbeit entstandene Internationale Übereinkommen über das Verhalten und zur Ethik von Theaterpädagoginnen und Theaterpädagogen (ÜVET) an. Es dient dem Ziel, Theaterpädagog_innen bei ihrer Arbeit einen flexiblen Rahmen für ihr Selbstverständnis zu bieten, Selbstverständliches greifbar zu machen und gutes berufliches Verhalten zu verfestigen. Die Ausübung des Berufs erfordert körperliche und gedanklich-emotionale Beweglichkeit, (Welt-)Offenheit, Verantwortungsbewusstsein und Kreativität. Deswegen soll ÜVET nicht als starres Korsett verstanden werden. Vielmehr enthält es selbstauferlegte Rechte und Pflichten, die in Anlehnung an sog. Codes of Ethics anderer Berufszweige zur Einhaltung bestimmter für verbindlich erachteter berufsethischer Grundsätze ermuntern und zugleich zu einer Stärkung des allgemeinen Verständnisses des Berufsstands führen.

Erkennend, dass eine Berufsethik die Seriosität und die öffentlich wahrnehmbare Professionalität eines Berufsstands zu stützen vermag, legte Gerd Koch (Hochschullehrer und Mitglied im Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Theater und Spiel) mit fachlicher Unterstützung und Beratung von Sinah Marx (Juristin und Friedens- und Konflikt-Forscherin) dem Vorstand der BAG 2010 einen ersten Entwurf für ein Übereinkommen über das Verhalten und zur Ethik von Theaterpädagog_innen vor und stellte ihn zur Diskussion. In den Jahren 2010 und 2011 war der Entwurf sowohl unter den Autor_innen1 als auch im erweiterten Expert_innen-Kreis Gegenstand ausführlicher Erörterungen. Er wurde in den Vorständen von BAG und Çağdaş Drama Derneği2 (ÇDD) sowie während des 18. Symposiums von ÇDD im September 2010 in Istanbul zur Sprache gebracht und weiterentwickelt. Durch die Übersetzung ins Türkische(Sözleşme) und Englische (ACETE)3 erfolgte eine weitere Präzisierung und Internationalisierung. Die BAG stellte die aktuelle Fassung des ÜVET bei ihrer Mitgliederversammlung am 25. Februar 2011 in Erfurt vor, wo das Übereinkommen von den Teilnehmer_innen diskutiert wurde; beim 19. ÇDD-Symposium am 31. März 2011 in Antalya kam es zur feierlichen Verabschiedung und Bekanntmachung.

ÜVET ist in den drei Sprachen auch auf der Homepage der BAG zu finden (http://www.bag-online.de/start.html) und soll gerne in weitere Sprachen übersetzt, diskutiert und öffentlich bekannt gemacht werden.